Virtueller Lunchtalk: Mut zur Macht im Praxischeck

Veranstaltung Mut zur Macht: Virtueller Lunchtalk

Macht im Praxischeck

Unter dem Motto „Mut zur Macht im Praxischeck“ diskutierten Clara Gruitrooy und Prof. Dr. Anja Seng (FidAR), Katharina Schleeberger (Chef:innensache) und Heike Prinz (Bayer AG) darüber, was es braucht, damit mehr Frauen Verantwortung übernehmen und Führung gleichberechtigt gestaltet wird. Dabei ging es nicht nur um Perspektiven und Impulse, sondern um den Praxischeck: Was funktioniert bereits? Wo liegen noch Hürden? Und was können Organisationen und Führungskräfte konkret verändern?

Mit Instrumenten Veränderungen antreiben

Als Auftakt stellte Prof. Dr. Anja Seng die Arbeit von FidAR vor. Die Initiative setzt sich seit 20 Jahren für die gleichberechtigte Teilhabe in Führungspositionen ein, denn Frauen machen 50 Prozent der Bevölkerung aus und sollte dementsprechend ebenso an den Machthebeln vertreten sein. Gleichzeitig blickt sie auf den Status Quo. So wirkt die Frauenquote zwar in Vorstandsgremien und funktioniert sehr gut, sie ist nur für zu wenige Unternehmen verpflichtend.

„Das heißt, wenn es die Rahmenbedingungen gibt, können wir beobachten, dass sich wirklich Veränderungen in den Unternehmen entwickeln. Das ist der erste Schritt. Mit FidAR wollen wir eine gesellschaftliche Normalität erzeugen, damit wir auch in den Machtpositionen gleichermaßen männlich wie weiblich vertreten sind“, so Prof. Dr. Anja Seng.

Warum Mut zur Macht? Macht im Praxischeck

Mit „Was ist Macht für dich und wie gehst du damit um?“ startete Katharina Schleeberger, Geschäftsstellenleitung der Chef:innensache, den Austausch mit Heike Prinz.

Heike Prinz, Personalvorständin beim Chef:innensache-Mitglied Bayer, bringt es auf den Punkt: „Macht hat im Deutschen oft eine negative Konnotation. Viele denken an Machtmissbrauch. Für mich ist Macht aber Verantwortung und Gestaltungsspielraum. Es hat auch wenig mit einer Einzelperson zu tun, sondern viel mehr mit der Zusammenarbeit im Team.“

Im virtuellen Lunchtalk wurde sie von Katharina Schleeberger auch nach der größten Herausforderung im Top-Management gefragt. Ihre Antwort: „Die große Herausforderung als Führungskraft im Top-Management ist es, genügend Zeit für Reflexionen mit sich selbst, aber auch über die Interaktionen, die man hatte, zu finden. Für mich ist dieser Punkt essenziell in meiner täglichen Arbeit. Wenn man in einer Führungsposition ist, muss man aber ebenso ein solides Wertegerüst haben. Es ist nicht nur wichtig, diese Werte zu haben, sondern auch darüber zu sprechen. Das Stichwort ist wertegeleitete Führung.“


Heike Prinz, Personalvorständin Bayer, beim virtuellen Lunchtalk "Mut zur Macht"

Wer benötigt Mut? Die Frau oder die Organisation?

Aus der Sicht von Heike Prinz benötigen sowohl die Frau als auch die Organisation Mut. So musste sie als Frau in ihrer Karriere lernen, sich früher und stärker zu artikulieren, unter anderem für Jobs, für die sich interessierte.

Sie selbst erlebte das Imposter-Syndrom: „Oh Gott, warum trauen sie mir das zu? Was sehen andere in mir, was ich nicht sehe? Und gleichzeitig habe ich männliche Kollegen gesehen, die immer die Hand gehoben haben, wo ich mich gefragt habe: Was bringst du denn mit? Da kann man sich dran abarbeiten, viel wichtiger ist es aber, sich auf sich selbst zu fokussieren und vielleicht zu sagen ‚Okay, bin ich vielleicht nicht mutig genug, zu artikulieren, dass ich mich für eine Position sehr interessiere?‘ Ich habe immer die Tendenz gesehen, dass ich hinter allen Anforderungen das Häkchen setzen muss und am besten noch zusätzlich was mitzubringen, bevor ich mir eine Rolle zutraue. Wohingegen oftmals schon 70 Prozent, von dem was gefordert ist, ausreicht und gut genug ist. Den Rest kann man lernen und erwerben.“

Wie lässt sich Diversität erfolgreich in Unternehmen implementieren?

Heike Prinz setzt auf die Optimierung von Interviewprozessen. Nicht nur ein oder zwei Interviewpartner:innen sollten eine Entscheidung treffen, sondern ein Panel, das eine gewisse Diversität aufweist und anhand nachvollziehbarer und kalibrierbarer Kriterien den Interviewprozess durchführt. Das verhindert erfolgreich unbewusste Vorurteile. Diese Prozesse müssen aber nicht nur umgesetzt, sondern auch tagtäglich gelebt werden.

Diversity-Ziele sollen aus ihrer Sicht auch bewusst ambitioniert sein. „Meine Toleranz ist größer, wenn hohe Ziele nicht erreicht werden, als wenn man sich nur konservative Ziele steckt. Und mit systematischer Nachfolgeplanung sieht man durchaus eine signifikante Bewegung.“


Den vollständigen virtuellen Lunchtalk „Mut zur Macht im Praxischeck“ können Sie sich gerne über diesen Link auf Youtube ansehen.