Veranstaltung Chef:innensache Jahreskonferenz 2026: Zusammenfassung
Chef:innensache Jahreskonferenz 2026: Mut zur Macht
In diesem Jahr drehte sich auf der Chef:innensache Jahreskonferenz alles um das Thema „Mut zur Macht. Frauen an die Spitze: Für eine gerechtere und leistungsfähigere Gesellschaft“. Rund 145 Führungskräfte aus Wirtschaft, Wissenschaft, öffentlichem Sektor, Medien und Sport kamen im Haus des Sports zusammen. In den Vorträgen und Podiumsdiskussionen wurde schnell deutlich, dass mehr Frauen und Vielfalt in Spitzenpositionen ein zentrales Zukunftsthema für Gesellschaft, Wirtschaft und den organisierten Sport ist.
Gemeinsam mit unseren Gastgebern, dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), veranstalteten wir in diesem Jahr die Jahreskonferenz in Frankfurt. Neurowissenschaftlerin Dr. Julia Sperling-Magro, Jörg Bienert, stellvertretender Geschäftsführer des KI Bundesverbandes, Dr. Bettina Orlopp, Vorstandsvorsitzende der Commerzbank AG, Christian Berg, Geschäftsführer der AllBright Stiftung, Prof. Dr. Anja Seng, Vorständin bei FidAR und viele weitere namhafte Gäste aus unseren Mitgliedsorganisationen waren vor Ort.
Chancengerechtigkeit und Vielfalt ist auch im Sport entscheidend
Zum Auftakt machten DOSB-Vorstandsvorsitzender Otto Fricke und DOSB-Vorständin Sportentwicklung Michaela Röhrbein deutlich, warum Chancengerechtigkeit und Vielfalt auch im Sport entscheidend sind: Engagement, Verantwortung und aktive Mitgestaltung sind seine Basis. Damit das so bleibt, braucht es vielfältige Perspektiven dort, wo Entscheidungen getroffen werden.
Frauen übernehmen im Sport längst Verantwortung, in Führungspositionen sind sie jedoch weiterhin unterrepräsentiert. Während Frauen rund 51 Prozent der Bevölkerung in Deutschland ausmachen, stellen sie im organisierten Sport laut DOSB-Bestandserhebung nur etwa 40 Prozent der Mitgliedschaften und lediglich rund 20 Prozent der Vorstandspositionen in den Mitgliedsorganisationen des DOSB.
Warum Macht – und warum gerade jetzt?
Im Auftaktgespräch diskutierten Susanne Fabry – Vorstandsvorsitzende der Chef:innen:sache und Vorstandsmitglied der RheinEnergie AG – , Dr. Gabriele Monschau – Vizepräsidentin des BND – und Michaela Röhrbein die zentrale Frage: „Warum Macht – und warum gerade jetzt?“.
Männer und Unternehmen in die Pflicht nehmen
Zwei Sätze von Christian Berg, Geschäftsführer der AllBright Stiftung, auf unserer Konferenz „Mut zur Macht“, die zusammen ein vollständiges Bild ergeben:
„Für einen Mann aus Schweden ist es peinlich, wenn er keine sechs Monate Elternzeit mehr macht. Und das verlangen auch die Unternehmen.“
Und: „Wenn Frauen in Vollzeit arbeiten sollen, müssen die Männer zuhause mehr Aufgaben übernehmen.“
Das eine bedingt das andere. Unternehmenskultur und häusliche Realität sind keine getrennten Welten. Sie bedingen sich gegenseitig. Wer Macht wirklich verschieben will, muss an beiden Enden anfassen. Prof. Dr. Anja Seng, Vorständin bei FidAR greift das Thema nochmal auf und zeigt, dass es an der Umsetzung scheitert. „Mit allen, mit denen ich sprechen, die sagen auch: ‚Ich finde das richtig und wichtig, dass es eine gleichberechtigte Teilhabe gibt.‘ Und dann fragt man: ‚Was tun Sie?‘ – ‚Nichts.’“
Veränderung von Führungsstrukturen in Krisenzeiten
Prof. Dr. Elisa Weisman von der Macromedia Hochschule hat die Veränderung von Führung und Führungsstrukturen in Zeiten der Unsicherheit untersucht. Sie sagt: „Durch die Verschlankung von Machtprozessen während Krisenzeiten nehmen Frauen Führung nur noch als Ausführung wahr. Es braucht individuelle Lösungen, um Führungspositionen für Frauen attraktiv zu gestalten.“
Männer sind per se keine Gegner von Chancengerechtigkeit
Martin Speer von Herr & Speer beleuchtete Chancengerechtigkeit aus der Forschungsperspektive. So sagte er auf unserer Chef:innensache Jahreskonferenz 2026: „Forschung zeigt, dass man Männer in drei Kategorien einteilen kann: Das erste Drittel steht für Gleichstellung, Quoten, weiteren Weg und Schritte und Allyship. Ein Drittel schweigt. Sie weisen eine distanzierte Akzeptanz auf. Und ein Drittel lehnt Gleichstellung ab, sind Gegner von weiteren Maßnahmen und bekämpfen das aktiv. Die Gegnerschaft wächst, das stimmt, gleichzeitig machen – je nach Forschungsbetrachtung – Männer, die stille Akzeptanz aufweisen, den größten Anteil unter allen aus Kategorien aus. Interessant sind also nicht die Extremen, sondern die, eher ruhig, aber akzeptierend sind. Sie kann man noch ins Boot holen.“
Übernimmt KI die Macht?
Die Neurowissenschaftlerin Dr. Julia Sperling-Magro widmete sich auf unserer Konferenz dem Thema KI und Macht. „Wem gehört die Macht? Den menschlichen Gehirnen. Es ist mir ein großes Anliegen, dass wir alle besser verstehen, wie unser Gehirn funktioniert. Denn: Wenn wir die Entscheider sind, können wir Entscheidungen in die richtige Richtung lenken. Sich bewusst machen, wie das Gehirn funktioniert, wofür es anfällig ist und dann bewusst entscheiden, wo und wann man als Individuum Macht abgibt und sagt ‚bis hier hin und kein Stück weiter‘.“
Vielfalt und Gleichstellung als zentraler Erfolgsfaktor
In ihrer Keynote machte Dr. Bettina Orlopp, Vorständin Commerzbank AG, deutlich, dass Gleichstellung kein gesellschaftliches Randthema, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor für Innovation und wirtschaftliche Stärke ist. So gab sie den Impuls mit auf dem Weg: „Einfluss und Verantwortung funktionieren nur, wenn man ein Team um sich herum hat, das einen immer wieder challenged.“
Weitere Programmpunkte beleuchteten die Auswirkungen von Macht auf Entscheidungsprozesse, den Einfluss Künstlicher Intelligenz auf Führung sowie die Bedeutung vielfältiger Perspektiven für resiliente Organisationen.
Durch Chancengerechtigkeit alle Menschen mitnehmen
Die Konferenz machte deutlich: Mehr Frauen in Führungspositionen sind kein Selbstzweck, sondern ein entscheidender Beitrag zu einer leistungsfähigen, innovativen und zukunftsfesten Wirtschaft. Diese Haltung wurde auch von Susanne Fabry, Vorstandsvorsitzende der Initiative Chef:innensache, geteilt, die den Kern der Diskussion auf den Punkt brachte:
„Macht ist die Fähigkeit, Dinge zu ändern oder voranzubringen. Mit Blick auf Chancengerechtigkeit ist es wichtig, alle mitzunehmen. Wir müssen alle Berufstätigen ansprechen und brauchen vor allem diejenigen, die den Einfluss haben, etwas zu bewegen.“
Macht bedeutet auch bewusstes ab- und weitergeben. Wir brauchen nicht den vierten Thomas im Vorstand. Wie wär es stattdessen mit einer Maria oder Sophia im Vorstand? Wieso? Weil mehr Frauen in Führung Innovation und Wachstum stärken.
Unsere neuen Kampagnenplakate, die in Zusammenarbeit mit einer Hochschule entstanden sind, greifen die Realität in vielen deutschen Unternehmen provokant-humorvoll auf. Sie wurden im Rahmen der Chef:innensache Jahreskonferenz 2026 vorgestellt.